Föhrenbühlweg

Sanierung und Erweiterung eines 1970er Jahre Bungalows zu einem Doppelwohnhaus

Status: Fertigstellung 10 / 2025
Bauherr: Privat
Leistungsphasen: 1 - 8
Flächen / Volumen: BGF 766 m²

Ausgangspunkt des Projekts war ein für die 1970er-Jahre typischer Bungalow, der sich selbstverständlich in das abfallende Gelände einfügte. Das großzügige Grundstück und das solide gebaute Bestandsgebäude boten weitläufige Wohn- und Freiflächen, die fließend ineinander übergingen. Ein später hinzugefügter Anbau schloss sich jedoch ungünstig an den Bestand an und wies keine erhaltenswerte Bausubstanz auf. Das ursprüngliche Gebäude wurde 1969 vom renommierten Architekten und Möbeldesigner Karl Nothelfer – bekannt durch den Kufenstuhl 1950 - entworfen. Er entwarf das Gebäude für ein Ehepaar, welches sich hier im Ruhestand niederlassen und mehr dem Garten widmen wollte. Seither war die Bausubstanz weder saniert noch modernisiert worden.

Mit dem Generationenwechsel der Bewohner und dem notwendigen Sanierungsbedarf des über fünfzig Jahre alten Gebäudes arbeiteten zwei Bauherrenfamilien gemeinsam mit KOSA Architekten daran, ein zeitgemäßes Wohnkonzept zu entwickeln. Das große Grundstück erlaubte eine sinnvolle Nachverdichtung. Eine klassische Aufteilung in zwei Baufenster war jedoch aufgrund der Lage des Bestandsgebäudes ohne Abriss nicht möglich. So lag es nahe, den Bestand aufzustochken und durch einen Anbau zu erweitern. Dabei konnten sich Synergien, wie die gemeinsame technische Infrastruktur, geteilte Nebenräume wie den Keller sowie die Minimierung von Hüll- und Nebenflächen zunutze gemacht werden.

Es gelang KOSA Architekten, die Außenbereiche durch Setzung und Orientierung des neuen Baukörpers so zu gliedern, dass ein ungestörtes Neben- und Miteinander der Bewohner möglich wird. Zwar bestehen zwischen den beiden Wohnhälften mehrere direkte Verbindungen, doch durch die Anordnung der Zugänge, die Ausrichtung der Fensteröffnungen und die Ausbildung räumlich getrennter Vorbereiche im H-förmigen Grundriss entstehen im Alltag klar definierte Rückzugsbereiche. Die Grundrisse sind so konzipiert, dass die Wohnbereiche offen und lichtdurchflutet bleiben, während die Zimmer großzügig genug für eine flexible Nutzung sind und dennoch eine angenehm intime Proportion aufweisen.

Bei der Bauweise und dem Materialeinsatz wird konsequent der Grundsatz „weniger Technik, dafür bessere Materialien” verfolgt.
Im Vordergrund stehen die natürlichen Eigenschaften der verwendeten Baustoffe und deren bautechnisch schlüssige Einsetzung. Die Baukörper sind in Fortführung des Bestands in unterschiedlichen Bauweisen ausgeführt. Die erdberührten Bauteile sind betoniert, die Sockelgeschosse gemauert und die Obergeschosse wurden in Holzbauweise errichtet. Weit vorgezogene Dachüberstände schützen die Fassaden vor Sonne und Regen. Im Bereich der zweigeschossigen Fassade werden sie durch durchlaufende Balkone ergänzt. Diese wirken als wirksamer Witterungsschutz für die dahinterliegenden, großzügig geöffneten Wohnräume. Durch vorgestellte Stahlstützen und netzartige Brüstungen lässt sich dieser Filter mithilfe von Kletterpflanzen je nach Bedarf mehr verschließen oder öffnen. Die Balkontiefen sind dabei so bemessen, dass sie die Fenster in den Sommermonaten effektiv verschatten, ohne dass zusätzliche Sonnenschutzelemente erforderlich sind. In den Wintermonaten können Licht und Wärmestrahlung dagegen tief in die Innenräume eindringen.

Der Wandaufbau ist in Kombination mit einer Hüllflächentemperierung so konzipiert, dass die Dämmwirkung und die Wärmespeicherfähigkeit der Bauteilmasse ausgewogen sind. Das Prinzip besteht darin, die Innenoberfläche der Außenwände im Winter moderat zu erwärmen. Durch das kontinuierliche Aufheizen der innersten Schicht und das Zusammenspiel von Wärmestrom und dem hohen Masseanteil der Materialien stellt sich ein Gleichgewicht ein. Der Wärmestrom folgt dem Weg des geringsten Widerstands nach innen, statt nach außen abzuwandern. Da auf außenliegende Dämmschichten verzichtet wird, kann das Bauteil die im Winter vorhandene Wärmestrahlung aus der Umgebung aufnehmen. Es bleibt dauerhaft trocken, was den Dämmwert erheblich verbessert, und kühlt nicht aus.

Dieser Effekt wurde in den beiden Bauweisen jeweils unterschiedlich umgesetzt. Im Holzbau sind die Holzständeraußenwände mit Zellulosedämmung gefüllt. Innenseitig bildet eine schwere Beplankung aus gebundenen Holzfaserplatten die Installationsebene für die Hüllflächentemperierung. Anschließend werden diese mit einer vier Zentimeter starken Schicht aus natürlichem Kalkputz eingebettet und überputzt. Im Mauerwerksbau sind die Heizungsrohre direkt auf der Wand verlegt und auf gleiche Weise eingeputzt. Auf eine Außendämmung konnte hier vollständig verzichtet werden. Die Dächer sind mit einer 32 Zentimeter dicken Zellulosedämmschicht sowie einer erhöhten Hinterlüftung unter der Dachdeckung aus Welleternitplatten gut isoliert und wirksam gegen sommerliche Überhitzung geschützt. Um den temperaturausgleichenden Effekt der Bauteilmasse zusätzlich zu steigern, sind die Balkendecken mit Einhängeziegeln und einer einfachen Splittschüttung versehen – ein Prinzip, das sonst als Ziegeldeckensystem im Stahl-Betonverbund bekannt ist.

Beide Gebäudeteile werden zentral über eine Pelletheizung beheizt. Ergänzend übernimmt eine mit Photovoltaikstrom betriebene Elektroheizung über weite Teile des Jahres die Warmwasserbereitung. Insgesamt konnte der jährliche Pro-Kopf-Energieverbrauch zusammengenommen für Heizung und Strom nach dem Umbau um rund 75 Prozent gesenkt werden.